Sakura-Reviews

Film-Besprechungen aus Japan und dem asiatischen Raum im Allgemeinen . . .

PINKY VIOLENCE


Genre-Definition

In den 60er Jahren entstand in Japan der Begriff "Pinku Eiga" für erotische Softcore-Filme mit künstlerischem Anspruch. Daraus emanzipierten sich ab den frühen 70er Jahren verschiedene Sub-Genres, wie zum Beispiel der von den Nikkatsu-Studios ins Leben gerufene "Roman Porno" (Abkürzung für "Romantischer Porno").

Meiko Kaji
Als Anfang der 70er Jahre der Fernseher Einzug in die japanischen Haushalte hielt, sah sich das Kino-Gewerbe von einer massiven Publikumsflaute bedroht, daher, um seinen Stand zu festigen, mußte es das Publikum mit Inhalten locken, die es im alltäglichen Fernsehen nicht zu sehen bekam. Und so entstand das vom Toei-Studio ins Leben gerufene "Pinky-Violence" Sub-Genre, welches exzessive Sex- und Gewaltdarstellungen zum gesellschaftlich konformen Unterhaltungs-Medium erhob. Dabei schlug die "Pinky Violence"-Welle eine deutlich action-orientiertere Richtung ein als ihr verwandter Ableger des "Roman Porno."

Reiko Ike
Merkmale des Genres sind starke Frauen in Hauptrollen, thematische Elemente über Vergewaltungen, Yakuza-Intrigen, Bandenkriege, ausgedehnte sexuelle Eskapaden und glorifizierte Rache-Feldzüge. Japanischer Sexploitation ist zudem ein weitaus höherer künstlerischer Stellenwert zuzschreiben, als dem vergleichbaren afro-amerikanischen Exploitation Genre aus den 70er Jahren, welches zum Beispiel die immer noch Kultstatus genießende "Shaft"-Reihe hervorbrachte. Nicht zu vergleichen ist "Pinky Violence" mit diversen Exploitation-Auswüchsen des HK-Kinos ("Naked Killer", "Sex and Zen"), welches mit seinen vulgären Geschmacklosigkeiten zwar ein durchaus beachtliches Level des primitiven Unterhaltungs-Niveaus schafft, aber selten über ordinäre, triebgesteuerte Schenkelklopf-Dramaturgie hinauskommt.

Miki Sugimoto
"Pinky Violence" bedeutet zumeist hoch-budgetiertes Kino mit durchweg edler Cinematographie und teurer Ausstattung in farbenfrohem, fast schon psychedelischem Design. Einer der bemerkenswertesten Regisseure aus der Ära ist Norifumi Suzuki, der ein weiteres Bastard-Genre der "Pinky Violence" (die auch im Westen ausgeschlachtete "Nunsploitation") mit dem bis dato kontroversesten Genre-Beitrag "School of the holy Beast" bereicherte. Als Schlüsselwerke zum Einstieg in das japanische Bad-Girl-Cinema wären Norifumi Suzukis "Sex and Fury" zu nennen, sowie die artverwandte (aber noch tief im Samurai-Genre verwurzelte) "Lady Snowblood"-Manga-Realverfilmung von Thoshiya Fujita.

Weiterhin hat die "Pinky Violence"-Welle einige berühmte Schauspieler hervorgebracht, als da wären Meiko Kaji, Miki Sugimoto und Reiko Ike. Insbesondere Meiko Kaji wurde schnell zum Idol des japanischen 70er-Jahre Bahnhof-Kinos gehypt und machte auch durch ihre starke Präsenz als Schlager- Chanson- und Blues-Sängerin auf sich aufmerksam. Quentin Tarantino widmete ihr eine Hommage in seinem epischen "Kill Bill"-Projekt.
- Bildmaterial von http://www.panikhouse.com/ und http://raforum.apinc.org/

© diceman

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