Sakura-Reviews

Film-Besprechungen aus Japan und dem asiatischen Raum im Allgemeinen . . .

GODZILLA: FINAL WARS (Japan, 2004)


GOJIRA: FAINARU UOZU

Regie: Ryuhei Kitamura
Darsteller: Masahiro Matsuoka, Rei Kikukawa, Kazuki Kitamura, Don Frye, Kane Kosugi, Akira Takarada


Gemeinsam mit einem guten Dutzend mutierter Freunde lädt uns Godzilla zu seiner fünfzigjährigen Geburtstagsfeier ein. Flüstern ist keine Option und auch als therapeutische Maßnahme um ADHS zu heilen ist der Film weniger geeignet: die "Final Wars"-Party fegt mit hämmerndem Sound und brachialer Netzhaut-Attacke durch das Wohnzimmer, Kopfschmerzen inklusive, aber nicht aufgrund intellektueller Überforderung. Zahlreich liebevoll zelebrierte Details, Insider-Gags und ironische Seitenhiebe auf die "Gamera"-Konkurrenz machen "Godzilla: Final Wars" zu dem besten Kaiju-Film den ich je gesehen habe.

Genre-Veteran Shusuke Kaneko wendet sich der Fortsetzung der Samurai-Saga "Azumi" zu, den freigewordenen Regie-Stuhl nimmt Ryuhei Kitamura in Beschlag. Zumindest Big G profitiert von dem Rollentausch: Für das Jubiläumsprojekt ist der bekennende Filmfreak mit Hang zur Überlänge und kontextlosen Kindereien die Ideal-Besetzung: Kitamura weiß, was er den Fans schuldet: knallige Attraktionen in einer Comic-Traumwelt in der alles möglich wird. Die konsequente Inszenierung achtet Vorbilder bishin zu unfreiwilliger Komik und verkommt dabei selbst nicht zur Farce.

In naher Zukunft sichern geklonte Mutanten-Soldaten die Erde (und Japan) gegen intra- und extra-terrestrische Bedrohungen. Gesteigerte Agilität, Kampfkraft und Intelligenz zeichnet die EDF-Soldaten (Earth-Defence-Force) aus, so auch Osaki (Masahiro Matsuoka), dem die Aufgabe zuteil wird, der Biologin Miyuki (schön und kess: Rei Kikukawa) als Bodyguard zur Seite zu stehen. Miyuki Otonashi soll die Bergung eines mumifizierten Monsters überwachen und Tests am genetischen Material durchführen.

Plötzlich tauchen überall auf der Erde quicklebendige Monster (Kaijus) auf: der geflügelte Rodan, der Unterwasser-Drache Manda, der gestachelte Anguirus (inklusive Gebäude-Bowling-Spezial-Attacke) und viele mehr. Shanghai, Los Angeles, Moskau, Paris und weitere Metropolen versinken in einer Welle der Verwüstung. Das Militär ist überfordert, kampflos ergibt man sich dennoch nicht:

In einer der besten Action-Szenen stellt sich ein EDF-Squad der Riesenkrabbe Ebirah entgegen bevor der zerstörerische Wirkungsradius ihrer ungelenkt tobenden Scherenhände sich mit der Architektur eines Kraftwerkes überschneidet. Selten füllen weniger als drei gleichzeitige Explosionen das 16:9-Format, Sturmgewehre mit Endlos-Munition spucken als Silvesterfeuerwerk detonierende Geschosse in den gepanzerten Körper der übellaunigen Garnele, Stahlträger donnern zu Boden und panisch flüchtende Militärfahrzeuge crashen in hyperkinetischen Blech-Choreographien. Gelegentlich eingeblendete Spielzeugpanzer wirken wie eine augenzwinkernde Hommage an frühere Filme als wolle man sagen: "Guckt mal, wir können auch besser, aber wir wollen grad nicht."

Bedingt gelegen kommt ein gigantisches UFO, welches zwar die Monster ins Nirvana beamt, aber mit seiner außerirdischen Besatzung weitere Probleme mitbringt: Was beabsichtigen die mysteriösen X-Aliens wirklich? Warum tragen die so stylische Lederklamotten? Woher die coolen Sonnenbrillen? Ist die Kaiju-Bedrohung wirklich gebannt? Zu diesem Zeitpunkt ruht Godzilla noch tief eingeschlossen in seinem eisigen Grab am Südpol.

Die zweite Hälfte gehört Big G und den gleichermaßen erfrischend blödsinnigen wie epischen Kaiju-Gemetzeln. Kitamura injiziert dem von Geburt an behäbig gebauten Aderngeflecht seiner mutierten Protagonisten eine Überdosis Speed und lässt die Monster doppelt schnell aufeinander dreschen. Fluch und Segen des inflationären Monster-Casts: Die einzelnen Auseinandersetzung sind kürzer, aber auch sehenswerter geworden. Knackige Choreographien lösen langatmige Rangeleien ab, beispielsweise wenn der zottelige King-Kong-Doppelgänger King Cesar seinen eingeigelten Kumpanen Anguirus als lebendigen Fußball in Richtung Godzilla kickt.

Wenige Godzilla-Filme wissen es menschliche Schicksale lebendig in die Handlung einzubetten: zumeist, wenn im Kautschuk und PVC-haltigen Finale böse Gummitiere Dresche kassieren, ist alles drumherum längst egal geworden. "Final Wars" ist anders: Nicht politische Intrigen, Beziehungskrisen oder nackte Frauen halten das Interesse an den Menschen aufrecht, sondern Ryuhei Kitamura lässt es dank einem Action-gewohnten Cast (Kane Kosugi, Kazuki Kitamura) auch abseits der Monster-vs-Monster Kämpfe krachen: Mann gegen Mann, Mann gegen Alien, mit CGI-unterstütztem Wire-Fu-Martial-Arts kein Problem und immer schön anzuschauen. Ein rasantes Motorrad-Duell würde dank schamlos selbstzweckmäßiger Darstellung auch gut in "Matrix: Reloaded" reinpassen: Augsburger Puppenkiste goes Bullet-Time.

Die dankbarste Rolle hat der US-amerikanische Wrestling-König Don Frye inne: Als kampferprobter Veteran Captain Gordon darf er das mit einem Bohrkopf ausgestattete Raumschiff Gotengo steuern und die schlechtesten One-Line der Filmgeschichte mit stoischer Coolness rezitieren. Der würdevoll getragene Schnauzbart, groß genug um einem Kaiju als Taschentuch zu dienen, ist der dazugehörige Punkt unter dem Ausrufezeichen. Als in einem Gastauftritt Kitamuras Lieblings-Badass Tak Sakaguchi auf Don Frye trifft, verläuft die Begegnung wortkarg; dafür fliegen die Fäuste umso lauter.

Entgegen zahlreicher Nörgeleien sieht man "Godzilla: Final Wars" tatsächlich das hohe Budget an. Menschen in Gummikostümen sind mitnichten eine Lösung um CGI-Berechnungen einzusparen, sondern ein Zugeständnis an die Dinge, die Godzilla groß gemacht haben: Godzilla ist keine Echse; Godzilla ist eine Persönlichkeit und Roland Emmerich hat das nie verstanden. CGI-Effekte kommen vorwiegend in einer Weltraumschlacht zum Einsatz, können sich auch nicht von bonbonbunter Plastik-PC-Spiel-Optik befreien, sind aber ausreichend überzeugend gestaltet und waren niemals gedacht den Kaiju-Charakteren den Rang abzulaufen.

Das einzige komplett im Rechner entstandene Monster ist eine Replika der Roland Emmerich-Echse Gino (Godzilla in Name only), welche das Opernhaus in Sydney zerstören darf, aber in einem blitzschnellen Schlagabtausch zu dröhnender Heavy-Metal-Musik gegen den wahren Godzilla unterliegt. Da der Ausgang des Duells ohnehin einer kategorischen Wahrheit entspricht, darf man den Sieger ruhig verraten ohne daß gleich jederman "Spoiler!" ruft.

In Titelsequenz und Abspann trampelt eine pompöse, mit ohrwurmträchtigem Gitarrenjaulen angereicherte Titelmelodie die Tonspur entlang, in unvermeidlichen Dialogpassagen entschuldigt sich Kitamura mit nervös wummernden Drum-and-Bass-Rhythmen.

Die deutsche Synchronisation ist ansprechend geraten, für Puristen brüllt Godzilla aber auch mit Untertiteln. Dabei hatte ich den Eindruck, daß die englische Dialog-Übersetzung des Kino-Releases pointenreicher interpretiert worden war.

© diceman

Labels: , , ,