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Film-Besprechungen aus Japan und dem asiatischen Raum im Allgemeinen . . .

THE LEGEND OF FONG SAI-YUK (Hong-Kong, 1993)


FONG SAI-YUK

Regie: Corey Yuen
Darsteller: Jet Li, Michelle Reis, Josephine Siao, Man Cheuk Chiu, Sung Young Chen, Sibelle Hu, Lung Chan, Adam Cheng


Wer nicht verlernt hat, einen Film mit dem Herzen zu guckten, wird in "The Legend of Fong Sai-Yuk" einen kurzweiligen Genre-Vertreter finden, der sich vor der Jet-Li-Königsdisziplin "The Tai-Chi Master" nicht verstecken muß. Ausgangspunkt für den zentralen Konflikt ist einmal mehr das Machtstreben der Manchus. Ein Gouverneur soll im Namen der Obrigkeit eine Liste mit Namen von führenden Mitgliedern der rebellierenden "Red Lotus Flower"-Society beschaffen.

Drama oder Komödie? Ob seiner Genre-Zugehörigkeit kann sich "The Legend of Fong Sai-Yuk" bis zum Ende nicht entscheiden. Nach der ernsthaften Exposition darf man sich aber erstmal zurücklehnen und die Lachfältchen trainieren; ungleich leichtfüßiger kommt die ausufernde Nebenhandlung daher:

Bei einem lokalen Sport-Event lernt Fong Sai-Yuk (Jet Li in den Schuhen des Martial Arts-begabten Helden) die hübsche Ting-Ting kennen. Sie zu ehelichen gebührt allerdings nur demjenigen, der die Frau ihres Vaters (Sung Young Chen als reicher Opportunist Tiger Lui) in einem Kung-Fu-Contest besiegen kann. Und hier beginnt eine Shakespeare-artige "Comedy of Errors" voll komischer Verwechslungen, die darin kulminiert, daß sich Luis rabiate Frau in Fong Sai-Yuks nicht minder kampfeslüsterne Mutter verliebt, im Glauben sie sei der Bruder von Fong Sai-Yuk, und diese aufgrund eines Mißverständisses gar mit Ting-Ting (Michelle Reis) vermählt werden soll.

Komödiantische Verirrungen der Charaktere und damit zusammenhängender Slapstick zünden durchweg, Albernheiten akzeptiert man, lacht drüber oder jagt sich eine Kugel durch den Kopf. Schockierend wirkt im letzten Drittel der plötzliche Wechsel zum Drama, wenn der gewaltbereite Gouverneur (Man Cheuk Chiu) auf den Plan tritt und das heitere Hin-Her kompromisslos zerstört. Für ungeübte Cineasten mag das befremdlich erscheinen, für andere lässt unvorhergesehene Willkür emotionaler Extreme das HK-Kino gerade interessant gedeihen.

Das Wurzelwerk der "Red Lotus Flower"-Society erstreckt sich im ganzen Land, bis in Fong Sai-Yuks Familie trägt sie ihre Blüten. Und so wird der jugendliche Held gezwungen, die Handkante gegen das herrische Manchu-Regime zu heben. Egal wie lustig/provokant/spannend der Plot konzipiert wurde, Kung-Fu-Filme leben und sterben mit der Qualität ihrer Choreographien, und mit Corey Yuen hat man sich einen Stern vom Himmel gepflückt.

Ob in lustigem oder ernstem Kontext, jede Kampfszene ließe sich mit einer Überschrift thematisieren: Ein Schaukampf, der gänzlich auf Köpfen und Schultern der Zuschauer ausgetragen wird, ein Duell unter Boden-Brettern eines Schaffots, welches die Kontrahenten ausschließlich in geduckten Posen agieren lässt, oder Jet Lis meisterhafte Beherrschung der Seilform. Wire-Fu (Einsatz von Drahtseilen) hilft den Darstellern bei gigantischen Sprüngen und augenzwinkernden, akrobatischen Pointen. Realismus wird gänzlich ausgeschaltet, wenn Jet Li einen Bogen mit zehn Pfeilen zugleich spannt und jedes der Geschosse sein Ziel mit tödlicher Genauigkeit trifft.

Seine unentschiedene Genre-Zugehörigkeit möchte ich als eifriger Verfechter von Kung-Fu zu Entertainment-Zwecken nicht als negativen Punkt werten. Lediglich, als im furiosen Showdown ein zusätzlicher Charakter bar jeden Foreshadowings als Deus-Ex-Machina auf den Plan tritt, warf sich meine Stirn in ein faltiges Gewand. Vielleicht habe ich auch, dank grammatikalisch schauriger Untertitel der Hong-Kong-DVD, wichtigen Subtext in den Dialogen überlesen.

Von dem von Miramax verhunzten Disney-Release möchte ich dennoch abraten: Nicht weniger als zehn Minuten hat man gekürzt; rechtfertigen tun sich intellektuelle Eiszapfen der Manager-Ebene mit fadenscheinigen Phrasen, einige Gags wären zu "lokal" für ein rationaler angelegtes, westliches Publikum.

© diceman

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