LONE WOLF AND CUB: AM TOTENFLUSS (Japan, 1972)
KOZURE OKAMI: SANZU NO KAWA NO UBAGURUMARegie: Kenji Misumi
Darsteller: Akiji Kobayashi, Akihiro Tomikawa, Minoru Ohki, Kayo Matsuo, Tomisaburo Wakayama
"Lone Wolf and Cub" at it's best? Wer sich als Gelegenheitsgucker von minimalistischen Settings, der tristen Stimmung und harschen Brutaltäten des ersten Teils abgeschreckt gefühlt hat, sollte zumindest den wildesten und unterhaltsamsten Teil der Reihe nicht verpassen.
Diesmal geht es um Industrie-Spionage: Der Awa-Clan beauftragt Itto Ogami, einen flüchtigen Arbeiter ihrer Blau-Färberei zur Strecke zu bringen. Sollte nämlich die streng gehütete Rezeptur des Indigo-Färbemittels über die Clan-Grenzen hinaus bekannt werden, würde der Awa-Clan sein finanzielles Monopol verlieren und unter der Steuerlast zusammenbrechen.
Mittlerweile hat sich auch im Japan der Edo-Zeit herumgesprochen, daß ein Auftragsmörder für den Preis von 500 Ryo jeden noch so unmöglich erscheinenden Auftrag annimmt, solange der verbrecherische Yagyu-Clan seine Finger im Spiel hat. So heuert der vogelfrei umherstreifende Scharfrichter denn beim Awa-Clan an.
Nach der zwanzig minütigen Exposition muß sich der einsame Wolf und sein Junges aber zunächst einiger persönlicher Feinde entledigen: Ein Clan durchgehend weiblicher Assassinen, eine schöner als die andere tödlich ist, hat es auf seine inneren Organe abgesehen. In Rettichen versteckte Messer, Netze und raffinierte Verkleidungen sollen Itto Ogami den Garaus machen.
Entgegen dem nihilistischen Auftakt der Reihe kulminiert das überragende weibliche Element des zweiten Teils nicht in schmerzhaften Exploitation-Spitzen, sondern setzt den Startpunkt zu einem Abenteuerfilm der Superlative: Die Blutfontänen sprühen weiter, die Optik ist bunter, die Abgänge spektakulärer.
Nach einigen bewaffneten Scharmützeln mit heißblütigen Ninja-Chicks wird der rote Faden weiter gesponnen: Der desertierende Blaufärber hat vom Yagyu-Clan freies Geleit zugesprochen bekommen; für seine Bewachung sind die "Todesgötter" verantwortlich, drei Brüder, deren großes Kampfgeschick nur von dem Durchmesser ihrer ausladenden Strohhüte übertroffen wird. In einem Intro-Fight gegen meuternde Penner vom Awa-Clan fahren ihre Waffen (Kralle, Schlagkeule und Eisenfaust) eine blutige Ernte ein.
Selten hebt die Kampfchoreographie traditionelle Schwertwechsel in den Vordergrund, im Fokus stehen opernhafte Abgänge mit reichlich Pathos und kreative Finishing-Moves. Dank so einiger Nahaufnahmen von zerlegten Köpfen darf sich der Film stolz mit dem Titel "historischer Splatter" schmücken.
Anders als die gesichtslosen Armeen, die Itto Ogami en Passant mit seiner Suio-Wellentechnik vertraut macht, erweisen sich die Brüder erstmalig als ebenbürtige Gegner. Außerdem besitzen die drei Amigos genügend Ehre am Leib um einen charismatischen Gegenpol zu etablieren. Auch Daigoro, der Sprössling mit der schnittigen Frisur, bekommt etwas zu tun, indem er durch gezieltes Auslösen diverser Todesmechanismen am Kinderwagen Papas Bodycount aktiv unterstützt.
Abwechslungsreiche Settings (blühendes Waldesdickicht, ein brennendes Schiff, ausladende Sand-Dünen) und eine moderne, effektbewusste Regie, randvoll mit aufregenden Stilmitteln, lassen die unnötig komplizierten Handlungs-Hintergründe schnell vergessen. Als lehrreiches Anschauungsmaterial für politische Wirren und gesellschaftliche Probleme im historischen Japan trotzdem einen interessierten Blick wert, auch wenn der zentrale Konflikt ein nachlässig gedübelter Aufhänger für diverse Action-Sequenzen bleibt.
© diceman
Labels: Lone Wolf and Cub, Samurai, Swordplay

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