Sakura-Reviews

Film-Besprechungen aus Japan und dem asiatischen Raum im Allgemeinen . . .

SAKUYA: SLAYER OF DEMONS (Japan, 2000)


SAKUYA: YOKAIDEN

Regie: Tomoo Haraguchi
Darsteller: Nozomi Ando, Shuichi Yamauchi, Keiko Matsuzaka


Mit kraftvollen, handgemachten Bildern eines Vulkanausbruchs wird der Plot vorbereitet: Kriegslust und generelle Unzufriedenheit der Menschen stärken das böse Element, Dämonen überrennen das Land. Handlungspielraum ist ein alternatives Fantasy-Setting zur Zeit des Tokugawa-Regimes. Nur die mythischen Kräfte des Schwertes "Vortex" vermögen das Gleichgewicht wieder herzustellen, und in den Händen eines zierlichen "Buffy"-Imitats im "Azumi"-Röckchen und stylischem Pony-Haarschnitt gibt es ein gar schmuckes Bild ab.

Der ausschließlich in kantonesischer Sprache vorhandene Dub der Hong-Kong-DVD (die japanische Scheibe geizt mit englischen Untertiteln) richtet größeren Schaden an, als sich ein Hollywood-Only-Verfechter, für den Asiaten kategorisch gleich aussehen (von sprachlichen Differenzen ganz zu schweigen), ausmalen kann. "Sakuya: Slayer of Demons" ist ein geradezu archetypisch japanischer Film. Inszenierung, Kreaturen und Charaktere, das visuelle Element, ist ausnahmslos japanisch. Die kantonesische Audio-Spur, immerhin professionell besprochen, bleibt ein unliebsamer Fremdkörper.

Das phantasievolle Dämonen-Design ist der japanischen Fabelwelt entliehen: Skurrile Wesen, wie schnabelbewehrte Kappa-Schimären und ein tanzender Marionetten-Schirm mit heraushängender Zunge kannte ich bereits aus Takashi Miikes "The great Yokai-War". Selbstverständlich gehört "Sakuya: Slayer of Demons" in die Trash-Sparte, lebt aber näher am mythisch verwurzelten Märchen, als in der schmerzfreien Welt des willkürlichen Kaiju-Entertainments.

Leider bleibt Dämonenjägerin Sakuya ein Charakter von der Tiefe einer "Pokemon"-Sammelkarte, ohne Wunsch und Antrieb. Auch das erschreckend dünne Storygerüst kann sich nicht selbständig etablieren, sondern muß von einem Off-Erzähler erklärt werden. Das ist zeitsparend, aber nicht jeder Zuschauer wird sich mit einer "Friß Vogel oder Stirb"-Methode anfreunden.

Herd allen Übels ist die "Spider-Queen", eine arachnoide Fusion aus Tina Turner und Ebirah, die rund um den Berg Fuji ihr Schreckens-Reich errichtet hat. Der Weg dorthin präsentiert sich als rollenspielartig aneinandergereihte Episoden, welche Sakuya mit diversen Monströsitäten konfrontieren. Weiterhin spielt der Film in einer Welt, die keinerlei inneren Beschränkungen unterliegt. Selbst ein Fantasy-Setting sollte einer in sich schlüssigen Logik folgen, und nicht jedem dahergelaufenen NPC prophetische Weitsicht andichten, weil der entsprechende Twist gerade dringend benötigt wird.

Starke Ideen werden von schlampiger Dramaturgie gebremst: jedesmal, wenn Sakuya ihr Schwert gegen das Böse einsetzt, zehrt es von ihrer als Kerzenflamme visualisierten Lebenskraft. Nährt sich die Klinge dagegen an Menschenblut, erhält ihr Träger einen Teil seiner Lebenserwartung zurück. Der daraus resultierende Konflikt wurde nicht annähernd genutzt.

Was man dem Film nicht absprechen kann, ist Athmosphäre. Wenig CGI, dafür besinnt man sich auf bewährte Handwerkskunst: Set-Design, Make-up und gemalte Hintergründe. Die häufig mit Weichzeichner veredelte Optik glänzt mit gewählten Bildern, die an zeitgenössische Fantasy-Artworks erinnern. Auch die musikalische Untermalung schmiegt sich mit mehr athmosphärisch- als melodiösen Klängen harmonisch in das Gesamtgefüge ein. Ein gesungenes Lied hätte ich gern im Originalton gehört. Im Effektebereich treffen sich Kaiju-Charme mit sympathischer Harryhausen-Perfektion: liebevoll designte Kostüme, Puppen und dezent digitale Tricktechnik mit Blue-Screen-Einsatz, sowie Miniaturbauten, die von farbenprächtigen Explosionen hinweggefegt werden, verbreiten angenehme Weltuntergangs-Stimmung.

Dagegen fällt der Actionbereich ab: Kämpfe funktionieren als Collagen ohne Exposition, etwas Kitamura-Posing, Nahaufnahmen und Herumgewirbel mit letztendlich zuwenig Effekt. Ein vollständiges Bild der Bedrohung erschließt sich einem dadurch nicht. Meistens müssen nicht einmal Klingen gekreuzt werden: es reicht aus, das Schwert in den Himmel zu strecken, eine Formel zu beten und ein mit psychedelischen Lichteffekten gepimpter Finishing-Move aus mystischen Sphären erledigt den Rest. Die "Dragonball Z"-Fraktion wird sich ob dessen vor Freude die Unterwäsche einnässen, in einer computergenerierten Tech-Vision á la "Final Fantasy 7: Advent Children" mag das ebenfalls angehen, aber einem Publikum, welches bis zum achtzehnten Lebensjahr ohne "Pikachu"-Bettwäsche ausgekommen ist, bleibt lediglich der schale Unmut, um eine actionreiche Kampfsequenz betrogen worden zu sein.

Langeweile bleibt, dank hoher Ereignisdichte, fern. "Sakuya: Slayer of Demons" ist bodenständige Fast-Food-Kost, deren Geschmack mit dem Verdauungsgang alsbald aus dem Gedächtnis gelöscht sein wird. Die Option auf ein episches Ende hat man sich mit süßlichem Heile-Welt-Kitsch nachhaltig versaut.
- Bildmaterial von http://www.sancho-asia.com/

© diceman

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