Sakura-Reviews

Film-Besprechungen aus Japan und dem asiatischen Raum im Allgemeinen . . .

DOA: DEAD OR ALIVE (USA, 2006)


DOA: DEAD OR ALIVE

Regie: Corey Yuen
Darsteller: Devon Aoki, Holly Valance, Jaime Pressly, Sarah Carter, Kane Kosugi, Collin Chou, Eric Roberts


Wäre ich zwölf Jahre alt und/oder hätte noch nie Sex gehabt, meine Lieblingsmusik "alles mögliche, Charts halt" wäre, und ich, dank Steven Seagal, einen Level-Eins Aikido-Haltegriff für die tödlichste Kampftechnik der Welt hielte, dann wäre "Dead or Alive" jetzt mein Lieblingsfilm.

Auch wenn mir für die Verfilmung eines japanischen Prügelspiels eine Blondine zuviel über das Set lief, weiteres Mäkeln über den Cast würde mich der Heuchelei schuldig werden lassen; selbstverständlich verfügt Holly Valance über hohe erotische Ausstrahlung. Wenn zentraler Angelpunkt meines Films allerdings um die feuchte Vision zweier durch einen Slip gespreizter Arschbacken auf einem Motorrad-Ledersitz rotiert, sollte ich mir als Regisseur überlegen, ob ich nicht besser ein Aerobic-Striptease-Video gedreht hätte anstelle eines Martial-Arts Filmes. Glauben wird es mir ohnehin niemand, aber "DOA: Dead or Alive" habe ich mir tatsächlich in der Hoffnung auf gute Kampfszenen angeschaut.

Die konstruierte Handlung zeigt sich so wenig bemüht ihre Videospiel-Wurzeln zu verbergen, daß nicht einmal Ironie á la "Charlie's Angels" den Film hätte retten können: Eine Wrestling-Amazone (Jaime Pressly), eine japanische Prinzessin (Devon Aoki) und eine Meisterdiebin (Holly Valance) ziehen mit teils männlicher Begleitung, teils persönlichen Problemen im Gepäck gen DOA, einem geheimen Kampfsport Event, welches unter den wachsamen Augen eines großindustriellen Moguls (Julia Roberts gescheiterte Bruder-Existenz Eric) auf einer Insel ausgetragen wird und nur die Besten der Besten unter sich duldet.

Dramaturgie und Charaktere als katastrophal zu bezeichnen wäre euphemistisch. Eine im Telegramm-Stil verfasste Texttafel und eine Handvoll peinlicher Dialogzeilen müssen genügen mit den mitnichten warm angezogenen Protagonisten "warm" zu werden. Optisch präsentiert sich "Dead or Alive" als wiedergekäutes "Charlie's Angels" State-of-the-Art, feiert mit mäßiger CGI-Unterstützung ein paar exotische Locations (Tempelvorhof, Bambuswald, Sandstrand) ab und sieht dabei fast so gut aus wie man es erwartet. Aber auch Pipi in einer Limonadenverpackung ist nur so lange lecker bis man die Flasche am Hals hat. Diverse Money-Shots (Holly Valance mit ohne Handtuch beim Verprügeln von Bodyguards in einer Hotel-Suite) wurden in der Vorschau verheizt, und einzig vielversprechende Sequenz (eine Armee schwarzgekleideter Schwertkämpfer stürmt brüllend der posierenden Heldinnen-Fraktion entgegen) endet im Film tatsächlich an der gleichen Stelle wie im Trailer: mit einer Schwarzblende, eine halbe Sekunde vor Erstkontakt. "Verarschung" ist ein zu milder Begriff um jene Gefühle in Worte zu kleiden, welche in diesem Augenblick in mir schwelten.

Entsprechend repetitiv sind die Fights geraten: von abwechslungsreichen Kampfstilen der Videospielvorlage (Muay Thai, Ninja-Kampfkunst, verschiedene Kung-Fu-Techniken) ist kaputt geschnittenes Wire-Work tausend mal gesehener Standard Kicks geblieben, hier und da verschwindet auch eine Handkante im egalen Brei zeitgenössischen Schnellschnitt-Editings. Hauptsache die sinnentleerte Wartezeit bis zur nächsten SMS von Perle/Kollege wird lauthals überbrückt.

Als Namen tragendes Cast-Member hat einzig Kane Kosugi kämpferisch etwas auf dem Kasten. Antreten lässt man ihn trotzdem nur auf der niedrigsten Schwierigkeitsstufe. Auch Collin Chou kann kämpfen, darf aber nicht, damit er gegen Eric Roberts nicht zu gut aussieht (welcher als im Langelaan'schen Sinne mißglückte Fusion zwischen David Carradine und Jürgen Drews in Erscheinung tritt). Ansonsten bleibt unvermeidliches Beach-Volleyballspiel als einzig sauber geschnittene Action-Szene in Erinnerung. Für juvenile Masturbations-Phantasien ist selbst das zuwenig. So fühlt sich "Dead or Alive" letzten Endes an, als würde man einem motorisch gestörten Kind beim Zocken zugucken, welches sich keine Tastenkombinationen merken kann und deswegen immer auf den gleichen Knöpfen rumhackt, dafür aber jede Intro-Sequenz doppelt langsam abspielen lässt, weil der "Bouncing Boob"-Mode in jenem Alter eben etwas Besonderes darstellt.

Immerhin ist der Film kurz genug um nicht zu langweilen. Unterhaltung ist das deswegen aber noch lange nicht. Derart unprofessionell zusammengeschusterte Wegwerf-Action von einem Mann zu sehen, der seit den 70er Jahren mit seinen Choreographie-Arbeiten das Hong-Kong-Kino um Klassiker wie "Ninja in the Dragon's Den" bereichert hat, stimmt mich traurig. Vor allem weil Corey Yuen mit "So Close" gezeigt hat, wie man weniger akrobatisch begabten Pop-Stars trotzdem überzeugend das Fliegen beibringt; und wer Asiaten nicht auseinanderhalten kann, guckt sich halt Jason Statham in "The Transporter" an.

Was hätte den Film also gerettet?

Das Schlüsselwort lautet "Exploitation"; unsubtile Schauwerte abseits blasser PG-13-Nudity für eine Zielgruppe, die erotisches Element in einem Actionfilm wirklich zu würdigen weiß; "Naked Weapon" hat vorgemacht, wie es richtig geht. Für die Fortsetzung wünsche ich mir daher eine (handlungstechnisch motivierte) Vergewaltigungs-Sequenz, zwei (unmotivierte) Sexszenen, davon eine gleichgeschlechtlicher Natur, plus reichlich appe Gliedmaßen und non-stop gegen die Kamera klatschende Blutbeutel. So.

© diceman

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3 Comments:

  • Februar 08, 2007

    Anonymous Kumpeljesus sagte …

    Die kritik ist 1A, der Film ist absolut grotenschlecht und ich könnte es nicht schöner als der ferfasser schreiben (selbst wne ich gut deutsch könnte *g*). Man solte noch erwehnnen das die fights definetiv NIE an Mortal kombat 1 herankommen, und das ist dochs chon traurig genug wie ich finde.

     
  • Dezember 20, 2007

    Anonymous Anonym sagte …

    Klasse Kritik, konnt mir dass Grinsen nicht verkneifen. Schon der erste Absatz ist ein brueller.

    Somit hat der Film wenigstens etwas gutes hervorgebracht.

     
  • Januar 29, 2009

    Anonymous Anonym sagte …

    Also DOA is sicher nicht jedermanns Geschmack.Aber wenn man vorher weiss auf was man sich da einlässt, und einen faible für Trashfilme hat (wie ich),hat der Film schon seinen Unterhaltungswert.Man kann diesen Film einfach nicht Ernst nehmen.Schön bescheuerter TRASH! Film.

     

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