Sakura-Reviews

Film-Besprechungen aus Japan und dem asiatischen Raum im Allgemeinen . . .

THE GLAMOROUS LIFE OF SACHIKO HANAI (Japan, 2003)


HANAI SACHIKO NO KAREI NA SHOGAI

Regie: Mitsuru Meike
Darsteller: Emi Kuroda, Takeshi Ito, Yukijiro Hotaru, Tetsuaki Matsue


Auch wenn sie dem Fetisch ihrer Kunden entsprechend häufig in die Rolle einer Lehrerin schlüpft, ist Sachiko Hanai mitnichten eine geistige Leuchte. Bei einer Schießerei zwischen Waffenschiebern und nordkoreanischen Geheimagenten fängt sich das auf Rollenspiele spezialisierte Callgirl eine Kugel in den Kopf ein. Angeschlagen, aber lebendig stolpert sie nach Hause, wo sie sich mittels amateurhafter Wundversorgung versehentlich die Kugel tief ins Hirn schiebt und bewußtlos wird.

Eine durch Ankündigungen und Festivalberichte geschürte Erwartungshaltung trieb mich dazu, weit mehr für die DVD auszugeben, als Spritkosten für einen Super-Benziner zur entferntesten Videothek maximal gekostet hätten. Erfüllt wurden bestenfalls sechzig Prozent. Abstoßen werde ich den Film trotzdem nicht, da man ihm trotz zahlreich verpatzter Gelegenheiten ein charmant-bizarres Charisma anerkennen muß.

Leider ist "The glamorous Life of Sachiko Hanai" auch einer jener Filme, die man sich kaum mit Bekannten angucken sollte, egal wie lang man befreundet ist. Und an eben jene Weiterverleihen geht sowieso nicht.

Aus ihrer Ohnmacht erwacht die unbedarfte Bordsteinschwalbe als Intelligenzbestie mit brennendem Wissensdurst. Literatur und Mathematik machen sie geiler als ein ausgedehntes Vorspiel. Ein mit frigider Ehefrau gestrafter Akademiker (Hauptfach Deutsch) lässt sie zur Untermiete bei sich wohnen, bezahlen tut Sachiko mit Nachhilfestunden für den Sohnemann.

Viele Reviews versteifen sich darauf, daß zuviele Sex-Szenen die Story ausbremsen würden (tatsächlich lässt Sachiko jeden Nebencharakter mindestens einmal über sich drüber steigen), dies jedoch als negativen Kritikpunkt anzuführen, verbietet sich in dem Genre von selbst. "Pink Movies" zeichnet die vorherrschende Orientierung an erotischen/exploitiven Gesichtspunkten aus.

Vielmehr empfand ich Sex-Szenen als uninspiriert abgefilmt. Sequenzen, in denen Kopulations-Choreographien durch einfallsreiches Comical Relief aufgelockert werden, lassen durchblicken, wie man es besser hätte machen können. Zum Beispiel wenn bewußtseinserweitertes Freudenmädchen und Deutsch-Professor sich gegenseitig mit philosophischen Spitzfindigkeiten aufheizen ("Ist das Universum wirklich dualistisch?"), während sie sich die Klamotten vom Leib reißen, oder wenn Sachiko, aufgrund der Kugel in ihrem Kopf und der daraus resultierenden Sinnes-Verwirrung an den unmöglichsten Orten geil wird und an sich rumzugrabbeln beginnt, sei es auf einer Autofahrt, oder am Eßtisch mit versammelter Gastfamilie. Mehr davon hätte manch drögem Rumgepoppe nicht geschadet.

Daß Erotik mehr ausmacht, als nackte Körper abzufilmen, hat Regisseur Mitsuru Meike hoffentlich gelernt. Für seinen nächsten "Pink Movie" sollte er zudem das Augenmerk auf einen ansehnlichen männlichen Cast legen, nämlich hageren Überfünfzigjährigen beim Begrabschen des deutlich attraktiveren weiblichen Counterparts zuzuschauen, gestaltet sich auf Dauer wenig anregend.

Aufgrund der absurden Ausgangssituation konnte ich mir ein konstantes Grinsen nicht verkneifen. Verrückte Ideen, wenn Sachiko nach einem zu scharf gewürzten Mittags-Snack eine Vision von George Bush erscheint, der seinen abgetrennten Mittelfinger per Telekinese in ihre Unterwäsche fernsteuert, halten das Interesse wach. Das Abschlußbild nach den Credits (japanisch gesungene Fassung der amerikanischen Nationalhymne inklusive), und den darin verborgenen subversiven Scherz sollte man nicht verpassen. Als politische Satire taugt der Film nur bedingt, dafür sind Haupthandlung zu abwegig und Abhandlungen über amerikanische Rüstungspolitik zu banal umgesetzt. Studenten von Polit-Wissenschaften wird zuviel Sex abverlangt, und um niedere Triebe zu befriedigen, ist die Inszenierung zu wenig entspannend geraten. Kuriosen Gemütern, denen "Sex and Zen" zu mainstreamig und "I.K.U." zu langweilig war, sei "The glamorous Life of Sachiko Hanai" als kurzfristiges Amüsement dennoch empfohlen.

Genitalien und Einblicke in die untere Bikinizone gibt es nicht, Nacktheit bleibt strictly softcore; was sonst unter der Gürtellinie abläuft, bleibt zu erahnen. Einen detailliert gefilmten Cumshot hätte man sich dagegen sparen können. Der japanische "Pink Movie" ist demnach eine Gratwanderungen zwischen trashiger Unterhaltung und Geschmacklosigkeit, und zu welcher Seite der Plot gerade neigt, ist selten vorhersehbar.

Das knappe Budget bleibt offensichtlich. Spezialeffekten geht cineastischer Appeal ab, Settings wirken sparsam und auf TV-Niveau getrimmt. Auch George Bush ist nicht mehr als eine marionetten-artig bewegte Pappscheibe, als satirischer Aspekt jedoch entschuldbar. Zeiten, in denen Japan solche Filme auf kinotaugliches High-Quality-Zelluloid, inklusive psychedelischer Farben und visionärer Kameraarbeit verewigt hat, sind endgültig vorbei. Ach ja, die 70er (insert Stoßseufzer here).

Filmischer Abfall oder Avantgarde Kunstwerk? In der Kurzfilm-Fassung mit dem unzweideutigen Titel "Horny Home Tutor: Teacher's Love Juice" wird die Thematik dankbarer aufgehoben sein, bestätigen kann ich dies mangels einer untertitelten DVD-Version jedoch nicht. So bleibt ein Projekt, das häufig Anlauf nimmt aber nie zum entscheidenden Sprung abhebt. Ein Film, dem ich gegönnt hätte, daß er besser wäre.

© diceman

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