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Film-Besprechungen aus Japan und dem asiatischen Raum im Allgemeinen . . .

MOHOHAN: COPYCAT KILLER (Japan, 2002)


MOHOU-HAN

Regie: Yoshimitsu Morita
Darsteller: Masahiro Nakai, Kanji Tsuda, Takashi Fujii, Tsutomu Yamazaki, Eiko Koike, Eriko Sato


Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, muß es dann allemal das Buch sein? Bezüglich der gepriesenen Romanvorlage kann ich das nicht beurteilen, im Falle ihrer Verfilmung maße ich mir jedoch an, "Mohou-han" als erstklassigen Stinker abzustempeln. Vielleicht nicht hohl, aber langwierig.

Die erste Aufregung nach der hektisch geschnittenen Titelsequenz ist schnell verflogen. Eben hoffte ich auf ein rasant-schräges Stück Thriller-Kultur, im nächsten Augenblick fand ich mich im Gestrüpp eines psychologischen Dramas wieder. Die Handlung folgt den Nachforschungen einer ärmlichen Famile, die ihr jüngstes Mitglied Mariko an ein perverses Serienkillergespann verloren hat, welches sich in öffentlichen TV-Sendungen einwählt und neue Morde ankündigt. Das klingt spannend, ist aber so unspektakulär umgesetzt, daß ich mehrfach die Fernbedienung hab fallen lassen, beim verzweifelten Versuch meinen oberen Extremitäten einen Zeitvertreib an die Hand zu geben um nicht einzuschlafen. Visuelle Gimmicks bei Szenenübergängen sind interessant geraten, irgendwann nutzt sich jedoch der innovativste Überblendungs-Effekt ab und man richtet sein Augenmerk auf die Handlung.

Abseits ziviler Anstrengungen versucht auch die Polizei den Killern auf die Schliche zu kommen. Ermittlungen beschränken sich auf öde Sitzungen in abgedunkelten Räumen und Power-Point-Präsentationen. Dynamik lässt sich ab und an verzeichnen, wenn jemand die Hand hebt um den jeweiligen Redner mit fragwürdigen Schlußfolgerungen aus dem Konzept zu bringen. Ein charismatischer Adjutant als Identifkikationsfigur bietet sich genauso wenig an, wie mitreißende Gefühle oder aufrüttelnde Wendepunkte. Zwischendurch krabbeln Internet-Chatlogs über das Bild: "The Killer is Judge, Jury and God. He rocks!" Dokumentarisch angehauchte Stilmittel sollen Authentizität vermitteln, verbreiten aber höchstens seifiges Aroma einer "Aktenzeichen xy"-Episode.

Recht früh entgleist der Film von seiner "Who-dunnit"-Schiene und richtet das Spotlight auf zwei aufstrebende, mäßig attraktive Jünglinge (im wirklichen Leben Mitglieder der Pop-Gruppe SMAP), die das perfekte Verbrechen planen. Nun werden Szene für Szene vorherige Ereignisse aus der Sicht des Killer-Pärchens rekapituliert. Das ist dumm, da lediglich eine bekannte Geschichte zum zweiten Mal erzählt wird. Auf weiterführende Einblicke in die verquere Psyche der Quasi-Protagonisten wird verzichtet, zumindest konnte ich nichts entdecken, was nicht bereits in Rückblenden klischeetriefender Kindheits-Traumata geklärt wurde: Kind wird von Mitschülern geschlagen, Kind wird böse. Storytechnische Höhepunkte (ein live ausgestrahlter Mitschnitt eines Mordes, ein Auto-Crash, eine Entführung) finden in beiden Handlungs-Perspektiven entweder im off statt, oder können mit wenig mehr als verwackelten Nahaufnahmen und rasch folgender Schwarzblende dienen. Stilmittel, welche die Phantasie des Zuschauers anregen, sind sicher legitim und funktionieren hervorragend, solange innerhalb eines spannenden Rahmens eine gewisse Erwartungshaltung befriedigt wird. Bei "Mohou-han" fallen mir die Worte "Frust" und "Geldmangel" ein, um das Stiefkind angemessen zu taufen.

Ein nachvollziehbarer Modus Operandi will sich nicht manifestieren, Motive werden willkürlichen Launen angepasst. Quasi als Randnotiz bekommt man verstörende Bilder (endlich, Emotionen!) von weiblichen Opfern geliefert, die Tieren gleich in einem nicht näher differenziertem Kellergewölbe gefangen gehalten werden. Die Szene fällt lose aus dem Gefüge und trägt auch im späteren Verlauf keine Konsequenz. Das Finale wartet mit einem billig getricksten CGI-Knalleffekt auf, bei dem ich mir immer noch nicht sicher bin, ob er Teil der aufdringlichen Medienkritik, oder einfach nur dumm ist.

Eindringliches Schauspiel verlangt man den Darstellern nicht ab. Eine meiner Lieblings-Darstellerinnen Eiko Koike war schon immer eher zum Angucken, als zur Stimulation intellektuell angelegter Werte geeignet. Vier Minuten darf Koike-san ordinären Sex-Appeal versprühen, dannach verschwindet sie auf ewig von der Bildfläche. Ausdruck und Inhalt zahlreicher Gespräche des Killergespanns wirken forciert und hinterlassen einen mehr lächerlichen, denn abgründigen Nachgeschmack auf dem Gaumen. Düstere Aussichten sind dagegen im visuellen Bereich zu verzeichnen, der mit durchgängigem Sepia-Farbstich eine einschläfernde Wirkung erzielt. Auf detailreiche Bildkompositionen wird verzichtet. Zumeist hält die Kamera gerade druff, um die Bilder anschließend in ockerne Farbeimer zu tunken; Athmosphäre erzeugt man so nicht.

Reichlich grüne und blaue Flecken habe ich von der Moralkeule davongetragen, welche der Film im Finale auspackt und auf den Zuschauer einprügelt. Wie wichtig es ist, in jungen Jahren geliebt zu werden, ist mir jetzt bewußt; viel lieber hätte ich mich auf spannende Weise unterhalten gefühlt. Gegen eine subtile Botschaft ist nichts einzuwenden, solange sie unterschwellig vermittelt wird.

Manchmal ist ein wenig Routine doch nicht so schlecht. Sich an bewährten Spannungselementen zu orientieren hätte dem Film gut getan, vor allem wenn zahlreiche Möglichkeiten der nicht-linearen Erzähl-Struktur bestenfalls zehnprozentig ausgeschöpft werden. Was mit einer Serienkiller-Thematik begonnen hat, wandelt sich so zum Zuschauer-Killer par excellence.

© diceman

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