Sakura-Reviews

Film-Besprechungen aus Japan und dem asiatischen Raum im Allgemeinen . . .

STAR OF DAVID: BEAUTY HUNTING (Japan, 1979)


DABIDE NO HOSHI: BISHOUJO-GARI

Regie: Norifumi Suzuki
Darsteller: Shun Domon, Hiromi Namino, Asami Ogawa, Natsuko Yagi, Yuka Asagiri, Akiko Hyuga


Jahre nachdem er mit "Sex and Fury" einen eleganten Höhepunkt der Pinky-Violence-Welle geschaffen hat, entledigt sich Norifumi Suzuki seiner Handschuhe und wühlt mit bloßen Händen im Dreck. Ohne den kantigen Charme seiner früheren Filme hat er mit "Beautiful Girl Hunter" (Alternativtitel) ein unter hartgesottenen Geeks als "Sleaze-Cult" gepriesenes Werk aus der Schlamm-Taufe gehoben, welches den Zuschauer mit einem zweifelhaften Zerrbild menschlicher Moral besudelt. Ein Film, nachdem man sich nicht gründlich genug duschen kann.

Der entflohene Serien-Straftäter Genpai bricht bei einem Ehepaar ein und vergewaltigt die Frau die ganze Nacht über vor den Augen des gefesselten Mannes. Der erniedrigenden Situation zum Trotz beginnt sie, die rüde Behandlung zu genießen. Sie wird schwanger und gebärt einen Sohn.

Eines Tages beobachtet der kleine Tatsuya seine Eltern bei diversen SM- und Bondage-Spielen (die Begegnung mit Genpai hat der Beziehung einen nachhaltigen Twist verschafft), und als er im geheimen Tagebuch seines Vaters von dem Vorfall liest, der zu seiner Geburt geführt hat, erwacht die böse Saat und kürt die Schandtaten des Blutsvaters zum Vorbild. So richtet sich Tatsuya nach dem Tod seiner Eltern einen Folterkeller ein, lockt hübsche Twens zu sich ins Haus, um durch sexuelle Demütigung deren Willen zu brechen und zu seinen Sklaven zu machen.

Was mit einem befreienden Rache-Twist ein packender Thriller über menschliche Abgründe durch die rosarote Nikkatsu-Linse hätte werden können, bleibt voyeuristischer Appell an niedere Instinkte. Nach der x-ten Vergewaltigung meint man, sollte ein Film anfangen, eine Geschichte zu erzählen, Konflikte etablieren, ein zentrales Thema finden. "Star of David" bleibt im Morast stecken und suhlt sich in selbstgefälligen Episoden, in denen immer neue Frauen vergewaltigt oder getötet werden. Den sanften Auftakt bildet forciertes Fellatio bei einer Bewußtlosen. Eine Szene, in der Polizisten einen Tatort sichern und eine Leiche bergen, entpuppt sich als dramaturgische Sackgasse und wird nicht weiter verfolgt. Zudem werden unerträgliche Vergewaltigungs-Phantasien bedient: wer lange genug zudringlich bleibt, wird letztendlich von Erfolg gekrönt.

Auch wenn "Beauty Hunting" auf Perversionen abfeiert, welche jedem auf der Erde bekannten Fetisch die Schamesröte ins Gesicht treiben, vermag er selten zu schocken. Die Masse der frauenfeindlichen Praktiken ließ mich schneller abstumpfen als erwartet. Dabei orientiert sich Norifumi Suzuki eng an japanischen Zensurvorschriften: intime Details gibt es keine, was ihn nicht davon abhält, ausgiebig mit Körperflüssigkeiten herumzusauen. Man mag es nicht glauben, irgendwann ist selbst eine Szene, in der Tatsuya sich von einer Geburtstagsfeier entfernt um im Keller eine Frau zu erstechen, sich an der Leiche zu vergehen, und anschließend weiterzufeiern, langweilig. Billig wirkt das dank der hoch-budgetierten Präsentation mitnichten, auch athmospährisches Set-Design und Kameraführung sind superb geraten. Die Inhalte sind dagegen Exploitation übelster Sorte, so stillos wie sinnentleert.

Nebenbei übt Suzuki fadenscheinige Gesellschaftskritik: In sparsam gesäten Episoden identifiziert sich Tatsuya mit Ideologien prominenter Nazi-Größen, allerdings mangelt es der Hauptfigur an Überzeugungskraft. Eine nachvollziebare Psychologie seiner Taten bleibt aus, auch der Davidsstern, den er einem seiner Opfer um den Hals hängt, hilft da nicht weiter. In einer plakativen Sequenz darf Tatsuya über Auschwitz-Bildmaterial masturbieren, tiefer schürfende Aussagekraft ist den nationalsozialistischen Analogien nicht gegönnt. Religiöse Themen beschränken sich auf unvollständiges Zitieren von Bibel-Versen und wirken ebenso scheinheilig wie deplatziert. Wenn schon eine Weltreligion demontieren, dann bitte richtig und vom Kaliber der schonungslosen Pinky-Violence-Abrechnung mit dem Christentum in "School of the holy Beast". Suzuki, was ist aus dir geworden?

So kreativ wie es im Umgang mit misogynen Quälereien sein mag, zum Ende gehen dem Drehbuch die Ideen aus. Anstatt das Leiden des Zuschauers vorzeitig zu beenden, rekapituliert Suzuki Einstellung für Einstellung seine anrüchige Harndrang-Folter aus "School of the holy Beast", inklusive Close-up des tickenden Weckers. Ohne rechtfertigenden Kontext der Hexenverfolgung wohnt der Sequenz wenig mehr inne, als ein weiterer langatmig ausgewalzter Fetisch.

Ob Suzuki dafür Geld bekommen hat, oder sich selbst einen Gefallen tun wollte, weiß ich nicht. Eine dankbare Zielgruppe will mir, außer Komplettisten und morbider Kuriosität, nicht einfallen. Freaks, die misogynes Entertainment ála "Guinea Pig" als Kunst mißverstehen, werden sich über mangelnde graphische Gewalt beschweren, denn mit mehr als Würgen und Auspeitschen kann "Star of David" nicht aufwarten. Wer sich ein Fünkchen Menschlichkeit bewahrt hat, wird in konstanter Herabwürdigung von Weiblichkeit ebenso wenig Freude empfinden. Wer auf Bondage steht, findet im lokalen Porno-Fachhandel kompetente Hilfestellung ohne lästige Schmalspur-Psychologie. Allen anderen sollte ein schwarzes Schaf in einer Herde von pinkem Hochgenuß nicht zum Anlass werden, eine der faszinierendsten Epochen der Filmgeschichte zu übergehen. Die Coolness einer Meiko Kaji, Miki Sugimotos abgeklärtes Charisma und die hitzige Erotik von Reiko Ike erwarten den neugierigen Cineasten, abgebrühte Naturen können in "Zero Woman: Red Handcuffs" ihr wohlverdientes Mekka finden.

Schade um die kompetente Kamerarbeit und den klassischen Soundtrack, der eine einfühlsam gespielte Klavier-Variation von Chopins Nocturne No. 2 zum Leitthema erhebt. Aber ein schönes Bild wird nicht ansehnlicher, wenn man es durch Hundescheiße zieht, noch gewinnt es durch den farblichen Kontrast an Faszination.

Es stinkt einfach nur.
- Bildmaterial von http://xploitedcinema.com/

© diceman

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2 Comments:

  • August 02, 2012

    Anonymous Marxl sagte …

    Sehr schade! Hatte wirklich gehofft hier einen Ausflug in ästhetische Erniedrigungsfantasien zu finden, der einen in die Faszination einweiht, aber letztlich den Spiegel vorhält, um den eigenen Dämon sichtbar zu machen, wodurch man schnell und beschämt wieder ablässt, um aus der unmenschlichen Kloake aufzusteigen.

     
  • August 10, 2012

    Anonymous Marxl sagte …

    Ich meinte mit "hier" natürlich den Film. Habe ihn jetzt doch gesehen und muss dir widersprechen. Ich fand ihn sogar überzeugend. Klar, ich bin ein krankes Schwein, aber der Film hat schon auch was zu sagen neben der exploittypischen Ausstellung von Schmutz. Und zwar stellt er die Frage nach der Entstehung des Bösen und taucht sie in die unmoralische Orgie der Macht. Eine Prämisse die ja für einen Exploiter sehr fraglich daherkommt. Und das ist er auch, weil er die Opfer nicht Opfer sein lässt, sondern Luststelzen. Die Perspektive ändert sich auch nie. Es ist eher so, dass man erkennt, was Macht für Spaß bereitet und welch schwerwiegende Folgen dieses Laster hat. Ja, trotz allem erkennt man, was der Film meint und die ausbleibende Antwort auf die gestellte Frage wird konsequent der Religion überlassen. Und ohne Liebe geht ja eh nichts. Schlecht war er bestimmt nicht. Nur fraglich in der eigenen fragwürdigen Philosophie. Man kann ein Thema nicht ausschlachten und gleichzeitig das Ausschlachten bemängeln.

     

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