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Film-Besprechungen aus Japan und dem asiatischen Raum im Allgemeinen . . .

ZERO WOMAN: RED HANDCUFFS (Japan, 1974)


ZEROKA NO ONNA: AKAI WAPPA

Regie: Yukio Noda
Darsteller: Miki Sugimoto, Eiji Go, Tetsuro Tamba, Hideo Murota, Yoko Mihara, Hiromi Kishi, Tetsuro Tamba

"Zero Woman: Red Handcuffs" ist verdammt hart, tut scheußlich weh und ist so kurzweilig, wie man es von einem dreckigen Grindhouse-Reißer mit A-Budget erwarten sollte. Der Ursprung der in den 90ern mit zweifelhaftem Ruhm forgesetzten "Zero Woman"-Filme stellt zugleich Miki Sugimotos Sternstunde dar, und ist neben "Sex and Fury" vielleicht einziger Pinky Violence-Vertreter, der sich mit den Merkmalen "Klassiker" und "Kult" schmücken darf.

Polizistin Zero (Miki Sugimoto) versteht ihren Job mit nachdrücklichem Maß an persönlicher Genugtuung. Als sie den prominenten Drahtzieher eines internationalen Vergewaltigungs-Ringes erschießt, bringt hitzige "Shoot first ask later"-Mentalität sie hinter vergittertes Gewahrsam. Zur gleichen Zeit wird die Tochter eines hochrangigen Politikers von ruchlosen Serien-Straftätern entführt, welche ihre Brötchen mit Raubmord, Erpressung und Prostitution verdienen und als liebste Freizeitbeschäftigung "Vergewaltigung" auflisten. Von hoher Instanz finanziert erhält Zero als Bewährungsauflage den gefährlichen Undercover-Job zugeteilt, das Mädchen zu befreien, und, wenn möglich, selbstgewähltes Strafmaß bei Tätern und Komplizen anzuwenden.

Schön reden möchte ich diese nihilistische Gewaltorgie niemandem: wo "Sex and Fury" das Skalpell ansetzt, schlägt "Red Handcuffs" mit der Axt zu. Gleich zweimal. Auch "Hostel" hat die Folter mit dem Schweißbrenner nicht erfunden; hier greifen Gesetzeshüter zum Werkzeug, und das nicht erst in letzter Instanz.

Aus der Ära gewohnt hochwertige Kamerarbeit und stilsicheres Gespür für mangaesque Farb-Akzente vermögen die triviale Story nicht in Kunst zu verwandeln, dienen aber als willkommener Stoßdämpfer bei all zu harscher Schilderung gewaltbetonter Ereignisse. Der grandiose Auftakt ist archetypisches Paradebeispiel für einen japanischen Action-Exploiter der 70er: schmissige Disco-Tunes, schrille Garderobe, ein bluttriefender Crotch-Shot, und in der Plateauphase des reißerischen Openers eine nackte Miki Sugimoto mit Spiegel im Rücken, in der Hand einen rauchenden Colt.

Mich emotional zu involvieren schaffte das Drehbuch nicht. Die Handlung strotzt vor Klischees und Ungereimtheiten, fragwürdige Enscheidungen der Charaktere ließen mich kopfschüttelnd zurück. Da der temporeiche Plot seiner Titelfigur jedoch immer ungeheuerlichere Hindernisse entgegen zu schleudern vermochte, hielt ich mich selten länger als für Augenblicke an dramaturgischen Schlampereien fest. Einige differenziert gezeichnete Personen stechen aus der Masse an plumper Skrupellosigkeit heraus; so ist zum Beispiel der Anführer der Gang eine Frau, die in einer schwülen Verhör-Szene gar lesbische Neigungen offenbart, und einer der Entführer zeigt sich menschlicher Regungen fähig, als er der eingesperrten Geisel heimlich etwas zu Essen bringt.

Helden gibt es keine. Selbst Miki Sugimoto bleibt ein eisiges, nahezu angsteinflößend unnahbares Schemen, welches diverse sexuelle Demütigungen mit stoischer Gelassenheit über sich ergehen lässt, als hätte das Leben ihr nie etwas anderes bieten können. Der umso ausuferndere Härtegrad ihrer "Ermittlungen" ist nachvollziehbar, berührt aber selten.

Und wo skandinavisches Geschwisterchen "Thriller: A cruel Picture" all zu verbissen Schockmomenten hintereilt und optische Aspekte vernachlässigt, versucht "Zero Woman: Red Handcuffs" erst gar nicht in seinen vordergründigen Rahmen ein Drama zu quetschen. Man muß allerdings zur hartgesottenen Brigade gehören, um im Sumpf aus kaltblütigem Verbrechen und gewissenlosen Charakteren nahezu verboten exzessives Unterhaltungs-Potential auszumachen.

Glücklicherweise wird der Film zum Ende hin immer erträglicher. Dies mag teils dem Abstumpfungs-Effekt zu verdanken sein, tatsächlich werden detaillierte Schilderungen misogyner Grausamkeiten zunehmend rar, bis man im Finale endlich aufatmen kann: rechtzeitig besinnt man sich rasanter Stilmittel der Einführung, um im Showdown ein Action-Feuerwerk ohne Gleichen niederzubrennen; kein Sodbrennen aufgrund ethischer Gratwanderungen mehr, stattdessen gaumengenehmer Overkill mit fest angezogener Gewaltschraube. Was mit einer crash-lastigen off-road Verfolgungsjagd beginnt, kulminiert in einem apokalyptischen Western-Standoff vor dem Hintergrund eines verrosteten Industrie-Komplexes. Tonnenweise Papierschnippsel fegen durch das staubige Straßenbild und errichten eine zum Schneiden dicke Athmosphäre; dann fangen die roten Handschellen an zu fliegen und der Bildschirm explodiert: Querschläger peitschen durch die heruntergekommene Architektur, Schusswaffen-Projektile fressen sich in himbeerroten Close-ups durch menschliches Gewebe, endlos sprühende Hämoglobin-Fontänen aus zerfetzten Halsschlagadern sind das Glutamat in der überwürzten Mitternachts-Speise.

In einem japanisch gesungenen Chanson, dessen melancholische Melodien in der Titel-Sequenz und während der Credits zu schwermütiger Blues-Gitarre die Tonspur entlang sprudeln, wandelt Sugimoto-san erfolgreich in den Fußstapfen Meiko Kajis.

Gut gemacht, Miki.

© diceman

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