Sakura-Reviews

Film-Besprechungen aus Japan und dem asiatischen Raum im Allgemeinen . . .

THE SEXY KILLER (Hong-Kong, 1976)


DU HOU MI SHI

Regie: Chung Sun
Darsteller: Chen Ping, Chan Shen, Hsia Hsu, Yueh Hua, Szu Shih


- "Brother, I've got a beautiful woman for you."
- "Forget it, I wouldn't dare to trust your taste."

Es ist schon ungewohnt, nach dem Shaw-Brothers-Logo mit einem Schwenk über die grell beleuchtete HK-Metropole begrüßt zu werden. Und genauso grell geht es danach weiter: Funkiger Jazz, Drogenexzesse in psychedelisch beleuchteten Swinger-Clubs, schöne nackte Menschen, die sich im Heroinrausch auf Wasserbetten räkeln.

Der Sleaze-Anteil ist hoch, aber die längenarme Story hält gut dagegen: Als eine Partymaus mit Coffy-Frisur nach einer Überdosis beinahe ihr Leben verliert, sagt ihre Schwester der Drogenmafia den Kampf an. Tagsüber arbeitet sie in einem Krankenhaus, nachts bringt sie im Gewand einer Prosituierten Drogen-Bosse und schmierige Freier um die Ecke. Wesentlich höher als in der Kult-Vorlage (mit Pam Grier) ist dabei der Action-Level ausgefallen (sowohl quantitativ als auch qualitativ), auch wenn sich dieser zumeist auf Prügeleien beschränkt, welche allerdings schmerzhaft und kompromisslos in Szene gesetzt wurden und des öfteren mit stilsicheren Zeitlupen-Bildern versehen.

Weniger überzeugend schlägt sich Ping Chen in der Titelrolle; die toughe Killerin nahm ich ihr nicht ab. Auch durch den moralinsauren, teilweise gar predigenden Hintergrund ("Keine Macht den Drogen") bremst sich die Story aus; im Bereich Exploitation sehe demnach lieber ungesetzliche Inside-Jobs im Gangster-Millieau, als ordnungsgemäße Polizei-Razzien.

Im Finale trifft die Nadel dann endlich die Vene und sollte auch den letzten Anhänger der Blaxploitation-Welle infizieren: als Lilly Lie (Ping Chen) mit einem Auto im fünften Gang durch die Glasfront einer Gangster-Villa crasht und mit der Pumpgun Amok läuft, fragte ich mich, warum man dem Mädel nicht schon früher eine Knarre an die Hand gegeben hatte. Das blutige Hinscheiden und die überzogenen Sturz-Choreographien seitens der Bodyguard-Fraktion sind nämlich ein mächtig schnieker Anblick. Sorry Pam, aber das hier ist eindeutig die bessere Coffy.

Abseits davon sind für Exploitation-Filme typische Elemente vertreten: ein dreckiger Chick-Fight in einem Swinger-Club oder Einblicke in einen gut ausgestatteten Folterkeller mit allerhand SM-Spielzeug. Allerdings beschränkt sich der Film in seinen "nasty parts" auf Andeutungen oder zumindest kurze Perspektiven, und geht niemals so weit, wie ich das aus japanischen Vertretern derselben Zeitepoche gewohnt war. In den unvermeidlichen Sex-Szenen hat man auf die kategorische Vergewaltigung verzichtet, und konzentriert sich stattdessen auf die schönen Aspekte der körperlichen Zweisamkeit.

Allein wegen dem knackigen Finale empfehlenswert. Derart aufwendig und farbenfroh produziertes Sex-and-Crime Entertainment wird man heutzutage vergeblich suchen, da muß man schon seine Ansprüche herunterschrauben und mit billig runtergekurbelten Direct-to-Video Produktionen vorlieb nehmen.

© diceman

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